Umbauten

Seit der Eröffnung des Rings 1927 wurde der Nürburgring mehrfach umgebaut, immer um der Sicherheit willen.

Hier eine Übersicht über diese Umbauten.





nordschleifologie.de » Interessantes » Umbauten & Baumaßnahmen an der Strecke

Hinweis: Diese Seite wird ständig erweitert und zeitlich sortiert!

Bisherige Teile:

1967: Bau der Hohenrain-Schikane

ab 1970/71: Große Umbaumaßnahmen

ab 1982: Bau der Grand-Prix-Strecke

1967: Umbau des Abschnitts zwischen Tiergarten und Brücke vor Start und Ziel
Mitte der 1960er Jahre beobachtete man die Tatsache, dass aufgrund steigender Geschwindigkeit der Rennfahrzeuge diese zu sehr in Richtung Dunlop-Turm/Boxenanlage abdriften könnten. Um einen verheerenden Unfall zu vermeiden, wurde sofort gehandelt: Eine Schikane wurde geplant und im Mai 1967 gebaut, um den Rennwagen die Geschwindigkeit zu nehmen - auch heute noch sind die Rennwagen, von der Döttinger Höhe bzw. letztendlich aus der Tiergarten-Senke kommend, an dieser Stelle sehr schnell. Durch die Schikane wurde ihnen Geschwindigkeit genommen, durch die Verlagerung der Ideallinie auf der Brücke wurde verhindert, dass die Wagen in Richtung Boxenanlage abdriften. Der Schikane wurde der Name "Hohenrain" gegeben, eine naheliegende Flur.

Bis dahin war der Bau der Hohenrain-Schikane die größte Änderung an der Strecke, sie verlängerte diese um 25 m von 22,810 auf 22,835 km. Gleichzeitig wurde das Niveau der Strecke etwas angehoben, wie man auf Foto 4 sieht - an der Brücke befand sich vorher ein leichter Sprunghügel, dieser wurde mit dem Umbau entfernt und der Höhenunterschied zwischen ehemals Ausgangs Tiergarten und Eingang Start und Ziel gleichmäßiger gestaltet.

Hier einige Fotos, um die Streckenänderungen zu veranschaulichen:



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Foto 1: Skizze. Grün: alter Streckenverlauf; blau: noch vorhandener Original-Asphalt; rot: Einfahrt zur Boxengasse vor der Tribüne T13, war damals ja noch nicht vorhanden (wurde gebaut, damit trotz Neubau der GP-Strecke ab 1982 der Motorsport auf der Nordschleife weiter möglich ist). Foto 2: Luftfoto der Hohenrain-Schikane aus den 1970ern, der alte Asphalt ist noch gut zu sehen. Im Hintergrund die Start- und Zielschleife. Fotos 3+4: Alter Asphalt heute, aufgenommen entgegen Fahrtrichtung (3) und in Fahrtrichtung (4).

Ab 1970/71: Die großen Umbauten an der Nordschleife
Im Jahre 1970 boykottierten die Fahrer der Formel 1 den Nürburgring, weil ihnen die Strecke zu gefährlich geworden war. Diesem Boykott waren einige schwere Unfälle auf anderen Rennstrecke vorangegangen. In Anbetracht der ständig steigenden Geschwindigkeiten der Rennboliden gab es von der Fahrergemeinschaft GPDA (Grand Prix Drivers' Association) Änderungsvorschläge bzw. -forderungen an die Nürburgring GmbH, nach deren Erfüllung sie erst wieder an den Ring zurückkehren würden.

Lesetipp Internetartikel: Auf "einestages" (Spiegel Online) findet sich ein sehr interessanter und lesenswerter Artikel, der aus Sicht von Jackie Stewart einige Unglücke bei der Formel 1 Ende der 1960er Jahre beschreibt, die zu einer Boykottierung des Nürburgrings ab 1970 seitens der GPDA führten. Den Artikel finden Sie hier: Artikel "Der Tod fährt immer mit" auf einestages (Spiegel Online) (Klick!)

Um die Zukunftsfähigkeit der Strecke zu erhalten und um zu verhindern, dass neben der Formel 1 auch andere Rennserien beispielsweise an den Hockenheimring ausweichen, wurden die Forderungen der Fahrergemeinschaft angenommen und große Änderungen an der Strecke durchgeführt. Dies geschah in einem 5-Jahres-Stufenplan. 1974 kamen von den Formel-1-Fahrern wiederum viele Forderungen, die dann in den 5-Jahres-Stufenplan aufgenommen wurden.

Hier eine Übersicht über die wichtigsten Umbaumaßen an der Nordschleife:
Begradigung der Strecke
Viele der Kurven am Ring sind entschärft worden, jedoch wurde der Hauptcharakter der Strecke als Fahrerstrecke beibehalten.

Leitplanken
Da es bis 1970/71 noch nicht überall Leitplanken gab, wurden zweistöckige Leitplanken installiert (die heutigen, dreistöckigen kamen erst später), um zu verhindern, dass ein Rennwagen nach einem Abflug von der Strecke im Gebüsch bzw. im Wald landete. Die Leitplanken stellten aber auch einen Schutz der Zuschauer dar, da diese dadurch nochmals geschützt wurden.

Fangzäune
Hinter den Leitplanken wurden an einigen Stellen Fangzäune errichtet (insg. 6 km), die ein Überspringen von verunfallten Fahrzeugen (besonders seien hier die Motorräder zu erwähnen!) verhindern sollten.

Seitenstreifen und Auslaufzonen
Ebenso wie die installierten Leitplanken trugen auch breitere Auslaufzonen und Randstreifen zur Sicherheit bei. Diese wurden auf ca. 3-4 m angelegt, um den Fahrern von außer Kontrolle geratenen Rennwagen die Chance zu geben, dies zu korrigieren - vor dem Umbau wäre ein Ausfall (Abflug in Erdhügel, Graben usw.) unvermeidlich gewesen. Des Weiteren bildeten die Randstreifen aber auch einen weiteren Schutz der Zuschauer, da durch diese die Zuschauerbereiche weiter von der Fahrbahn entfernt wurden.
Jedoch konnten nicht an allen Streckenabschnitten diese Verbreiterung der Seitenstreifen realisiert werden, da dies zu große Arbeiten bedeutet hätte (siehe beispielsweise Bergwerk: Dort konnte der Hang nicht einfach abgetragen werden!). Zudem mussten durch die wenigen Auffahrtsmöglichkeiten auf die Strecke die Rettungswagen teils noch lange Wege auf der Strecke zurücklegen.

Neuer Streckenbelag
Teile der Strecke wurden mit einem neuen Belag versehen. Darüber hinaus wurden viele unebene Stellen korrigiert, um den Rennwagen mehr Stabilität zu geben, aber auch, um zu verhindern, dass sich die sehr tief liegenden Rennwagen an Bodenwellen beispielsweise die Ölwanne aufreißen.

Entfernung bzw. Entschärfung von Sprunghügeln
Einige der berühmten Sprunghügel, an denen teils fantastische Fotos von abhebenden Boliden entstanden, wurden entschärft oder teilweie ganz entfernt. Diese stellten wegen der Instabilität bei den steigenden Geschwindigkeiten der Rennwagen nämlich ein weiteres Sicherheitsrisiko dar. Weggefallen sind der Sprunghügel im Kesselchen, der im Brünnchen (radikaler Umbau, siehe "Wussten Sie schon, ..."), der am Schwalbenschwanz (nach der ersten Rechtskurve in Höhe der Brücke) und der an der Auffahrt zum Karussell. Lediglich die beiden Sprunghügel am Pflanzgarten, die Kuppe an der Quiddelbacher Höhe und die leichte Kuppe am Schwedenkreuz blieben erhalten, wenn sie auch entschärft wurden.

Erhöhung der Zuschauerplätze
Ebenso wie die Leitplanken und die Randstreifen (s.o.) trug auch die Erhöhung der Zuschauerbereiche zur Sicherheit derselben bei. Es wurde, dort wo es von der Landschaft her möglich war, versucht, die Zuschauerbereiche höher als das Streckenniveau zu legen.

Erneuerung bzw. Erweiterung der Kanalisation
Um Aquaplaning, also sich auf der Strecke ansammelndes Wasser zu verhindern, wurden die Kanäle an der Strecke ausgebaut.

Einbau von Curbs
Damit verhindert würde, dass ein Rennwagen beim extremen Schneiden von Kurven Dreck mit auf die Strecke brachte, wurden Randsteine (sog. "Curbs") im Inneren der Kurven und dort, wo Rennwagen in Kurven sehr nahe an den Streckenrand kamen, installiert.

Neubau von Brücken
Rund um die Strecke wurden Brücken erneuert. Dies hatte mehrere Effekte: Zum einen konnten dadurch Randstreifen auch unter Brücken, unter denen die Strecke durchführte, gebaut werden (bspw. Poststraßenbrücke), zum zweiten verschwanden damit Sprunghügel an Stellen, an denen die Strecke über eine Brücken führte (siehe die damals sehr "wellige" Döttinger Höhe), zum dritten konnten auch auf den Brücken, über die die Strecke führt, Randstreifen installiert werden.

Weitere Änderungen
An der Strecke wurden noch weitere "Details" umgebaut: Die Einfahrt zur Südschleife wurde noch vor die Südkehre gelegt; die beiden Zuschauerbrücken (am Abschnitt Kottenborn und nach dem Karussell) wurden abgebaut; Parkbuchten auf der Nordschleife wurden entfernt (beispielsweise vor der Spiegelkurve oder auch am Adenauer Forst).
Insgesamt wurden ca. 10.000 Bäume entfernt, ca. 20.000 LKW-Ladungen Erdreich bewegt; der Umbau kostete insgesamt über 20 Millionen D-Mark.

Mit diesen Umbauten leistete die Nürburgring GmbH einen unschätzbaren Beitrag zur Erhaltung des Nürburgrings als gefragte und vor allem sichere Rennstrecke. Da die Südschleife nicht umgebaut wurde, bedeutete dies wohl das vorzeitige Ende der selben als Rennstrecke.

Trotz der Umbaumaßnahmen wurden schon Mitte der 1970er Jahre Rufe nach einem stark verkürzten Kurs laut, die dann ab 1977 durch konkrete Planungen umgesetzt wurden. Diese Strecke ist die heutige GP-Strecke (Klick!).

Bau der Grand-Prix-Strecke ab 1982
Von 1982 bis 1984 wurde die Grand-Prix-Strecke gebaut - die Start- und Zielschleife wurde ersetzt und die Südschleife fiel weg. Mehr dazu finden Sie auf der Hauptseite zur Grand-Prix-Strecke (Klick)!


Bild: Baumaßnahmen zur GP-Strecke/fertige Strecke
Aufs Bild klicken zum Vergrößern!
Mit freundlicher Genehmigung von Rudolf Izdebski (Klick)!