Die Historische Haupttribüne

Früher stand an der Start- und Zielgeraden der Start- und Zielschleife die große Haupttribüne, die gleichzeitig auch als Sporthotel diente.






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Die Historische Haupttribüne / das Sporthotel "Tribüne"

Mit dem Bau des Nürburgrings wurde auch die Haupttribüne an der Start- und Zielgeraden gebaut. Sie beherbergte allerdings nicht nur die Plätze mit dem besten Blick auf das Geschehen auf der Start- und Zielgeraden bzw. im Besonderen auf das, was sich in der Boxengasse abspielte; sie beherbergte auch das Sporthotel "Tribüne" (weitere Infos s.u.).

1927 fertiggestellt und mit dem Nürburgring eröffnet, sollte es nur 13 Jahre dauern, bis der frühe Glanz verging: in den Kriegsjahren 1940-1945 wurde das Hotel als Lager für Kriegsopfer und später auch als Lazarett genutzt, ebenso wurden beispielsweise Bücher der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn zum Schutz in Räumlichkeiten des Sporthotels gebracht. Nach dem Krieg war das Hotel teils zerstört und geplündert, wurde aber im Zuge der Wiederaufbaumaßnahmen (hauptsächlich 1947/48) wieder aufgebaut und kurze Zeit später auch wieder als Haupttribüne und Hotel genutzt.

So ging es bis 1986, als erste Kritiken kamen:

Die Erinnerungen an die Brandkatastrophe im englischen Bradford waren noch zu frisch und zu erschreckend, als daß die vorhandenen Parallelen der Holztribünen in Bradford und am Nürburgring zu übersehen gewesen wären. Letztlich einigte man sich für die laufende Rennsaison auf eine eingeschränkte Nutzung der kritischen Bereiche, wobei der Neubau eines Hotels im Interesse der Besucher und Hotelgäste Ziel der weitergehenden Bestrebungen ist.
(* Quelle: KESS; Detlev: Der Nürburgring - ein Überblick zum Geschehen der letzten 12 Monate. In: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1987.)


Im Jahre 1987 wurde die Haupttribüne dann abgerissen und wich einem Neubau, dem ****Dorint-Hotel, das am 2. Dezember 1989 eingeweiht wurde und das direkt an der Rennstrecke liegt.

Entgegen anderer Annahmen steht das Dorint-Hotel jedoch nicht auf der Fläche, die früher die Haupttribüne eingenommen hat: Zwar ist eine Überschneidung der Grundflächen vorhanden, jedoch steht ca. die Hälfte des Dorint-Hotels auf einem Freiraum, der früher zwischen dem Alten Fahrerlager und der Haupttribüne war - hier befanden sich Kassen und der Zugang zu den Zuschauerplätzen. Ebenso wurde die Haupttribüne nicht beim Neubau der GP-Strecke abgerissen, sondern erst später - die Gründe hierzu stehen oben.


Restaurants und Bewirtung im Gebäude (Auswahl)

Manchen Ringfans, die das Sporthotel Tribüne noch selbst erlebt haben, sind sicherlich noch die Namen von Restaurants und/oder Wirtschaften im Gebäude des Sporthotels bekannt, wie beispielsweise das Restaurant "Zum Brünnchen", die Bierstube "Bitburger Salon", der Christophorus-Saal oder auch Schultheis am Ring.


Luftaufnahmen der historischen Haupttribüne


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Bilder veröffentlicht unter freundlicher Genehmigung von Manfred Förster.


Artikel "Bücher im Sporthotel"

Der nachfolgende Artikel, verfasst von Dr. Michael Herkenhoff, Leiter des Dezernates 5 (Handschriften, Altbestand) der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn (ULB), beschreibt die Umlagerung von Literaturbeständen von der ULB ins Sporthotel "Tribüne" am Nürburgring während des 2. Weltkriegs.

Erschienen ist der Artikel in der Zeitschrift "Lese-Zeit-Zeichen" anlässlich der Wiedereröffnung der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn 2008 (genaue Literaturangaben s.u.).
Herrn Dr. Michael Herkenhoff möchte ich auch an dieser Stelle herzlich für die Veröffentlichungsgenehmigung danken!

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"Bücher im Sporthotel: Die Bonner Universitätsbibliothek und der Nürburgring

Eine Universitätsbibliothek und eine Rennstrecke wie den Nürburgring nennt man wohl kaum in einem Atemzug. Symbolisiert eine Bibliothek in den Augen vieler eher Ruhe und Beständigkeit, steht eine Rennstrecke für Mobilität, Dynamik und technische Innovation. Dennoch hat es eine kurze Phase im Zweiten Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit gegeben, in der die Bonner Universitätsbibliothek und der Nürburgring in unmittelbarer Beziehung zueinander standen, und es waren die angeblich immobilen Bücher, die zur Rennstrecke in die Eifel kamen, nicht die schnellen Rennwagen zur Bonner Bibliothek.

Im Sommer 1942 spitzte sich die Luftkriegssituation in Deutschland deutlich zu. Viele Kultureinrichtungen begannen, ihre Bestände in sichere Ausweichquartiere zu verbringen. Auch die Bonner Universitätsbibliothek brachte im Winter 1942/1943 ihre wertvollsten Handschriften und alten Drucke an drei abgelegenen rechtsrheinischen Bergungsorten in Sicherheit (Schloß Crottorf, das ehemalige Franziskanerkloster in Friesenhagen, Kloster Marienthal nahe Altenkirchen). Als 1943 der Bombenkrieg eskalierte, entschloss man sich zu einer Auslagerung des gesamten Bestandes von ca. 670.000 Bänden. Die Bibliothek mietete Räume in vier näher gelegenen linksrheinischen Gutshäusern bzw. Schlössern an. Die größte Fläche fand man jedoch im Sporthotel Tribüne am Nürburgring. Dort gab es seit Kriegsbeginn keine Rennen mehr. Das Hotel, unmittelbar an der Start- und Ziellinie gelegen, war jetzt als Lazarett eingerichtet, hatte aber darüber hinaus noch Raum zur Verfügung. Die Gesamtauslagerung des Bestandes begann im Dezember 1943. Zuerst wurden die Bücher aus den Abteilungen Theologie, Schöne Literatur, Reisen, Mathematik und Biologie in den angemieteten Gutshäusern geborgen. Ende März 1944 begannen die Transporte in die Eifel. Innerhalb von fünf Monaten verbrachte die Bibliothek die kompletten Abteilungen Naturwissenschaften, Medizin, Allgemeine Zeitschriften Rechtswissenschaften und einen Teil der Staatswissenschaften in das Sporthotel Tribüne. Ende August 1944 musste die Bergungsaktion abgebrochen werden, als die Alliierten sich der Reichsgrenze näherten. Bis dahin waren ca. 260.000 Bände ausgelagert, davon gut die Hälfte zum Nürburgring.

Wie wichtig die Auslagerung war, erwies sich wenig später. Der noch in der Bibliothek verbliebene Bestand wurde bei der Zerstörung des Bonner Schlosses am 18. Oktober 1944 schwer getroffen. Fast 180.000 Bände verbrannten. Bei erneuten heftigen Bombenangriffen zwischen Weihnachten und Silvester entstanden weitere Verluste. Die im Umland ausgelagerten Bücher blieben dagegen verschont, auch die am Nürburgring. Bei Kriegsende sorgte ein amerikanischer Kunstschutzoffizier, der später berühmte Bildhauer Walker Hancock (1901-1998), für ihren Schutz. Nach dem Abzug der Amerikaner standen sie unter französischer Bewachung und Verwaltung. Im Frühjahr 1946 wurden die Bestände aus der Eifel nach Bonn zurückgebracht. Die Bücher aus den anderen Ausweichquartieren kamen zwischen 1945 und 1947 zurück.

Die Gesamtauslagerung des Bestandes kam spät, war aber letztlich erfolgreich: Ein beträchtlicher Teil des historischen Bestandes der Bonner UB konnte gerettet werden. Faktisch hatte sie eine Zweiteilung des Altbestandes zur Folge: a) die ausgelagerten und deshalb unzerstörten Abteilungen, die nach dem Krieg aus Personalmangel nicht neu katalogisiert wurden und bisher nur mit veralteten Titelaufnahmen in einem digitalisierten Zettelkatalog nachgewiesen sind, und b) die sogenannten kriegszerstörten Abteilungen, die nach dem Krieg zur Bestandsrevision komplett neu katalogisiert wurden und somit heute vollständig im Hauptkatalog der ULB Bonn erfasst sind." M.H.
Herkenhoff, Dr. Michael, Art. Bücher im Sporthotel: Die Bonner Universitätsbibliothek und der Nürburgring. In: Lese-Zeit-Zeichen. Zur Wiedereröffnung der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn 2008. - [Hrsg.: Universitäts- und Landesbibliothek Bonn. Red.: Hans Dieter Gebauer ... Beitr.: Christian Becker ...]. - Bonn, 2008, 58.

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