Lesestoff

Ein paar Zeilen zum Lesen: Ein kleiner Rückblick zu
5 Jahre nordschleifologie, ein Essay, ein etwas ironischer Blick auf die Arbeit als Sportwart und eine Beschreibung einer Runde auf der Nordschleife.

Viel Vergnügen beim Lesen!





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5 Jahre nordschleifologie - Zeit für einen kleinen Rückblick.

Mehr als fünf Jahre ist es nun her, dass am 07. Mai 2008 die Website www.nordschleifologie.de online ging. Angefangen hat es mit einigen Infos zur Strecke und einer Übersicht zu den Streckenabschnitten der Nordschleife - mittlerweile ist die nordschleifologie doch um einiges größer, vor allem aber auch bekannter geworden. Pro Jahr freut sich die Website über mehr als 10.000 einzelne Besucher und mittlerweile auch über mehr als 1000 Fans, die allein bei facebook den Neuigkeiten folgen.

In der Zeit seit 2008 hat sich viel getan. Die Website ist um einiges gewachsen, vielfältiger geworden, so manches ist aber auch wieder weggefallen, damit die Historie im Fokus bleibt. Von allem, was bisher entstanden ist, ist mir besonders die Aufkleberaktion im November 2010 in Erinnerung geblieben, bei der über einhundert Leser der nordschleifologie kräftig für die Spendenaktion Markus Krämer (Klick!) gespendet haben - insgesamt kamen dadurch über 800 Euro für den guten Zweck zusammen. Auch an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön für Ihre Beteiligung und Ihre Unterstützung!

In diesen fünf Jahren habe ich viele Menschen kennengelernt, die sich auch für die Historie dieser faszinierenden Rennstrecke begeistern und diese Begeisterung auch gerne mit anderen teilen. Darüber hinaus freue ich mich über Kontakte zu Zeitzeugen aus allen Epochen der Geschichte des Nürburgrings. Aus erster Hand berichten diese Menschen aus früheren Zeiten des Eifelkurses - es finden sich sogar noch Zeitzeugen, die die Bauarbeiten, die Eröffnungsfeierlichkeiten im Juni 1927 und die ersten Jahre des Nürburgrings selbst miterlebt haben und von diesen Ereignissen und Erlebnissen mit Freude und Begeisterung berichten.

Fünf Jahre nordschleifologie sind, obwohl nur ein "Kleines" Jubiläum, allemal Grund, Danke zu sagen. Danke all denen, die diese Seiten in verschiedenster Form unterstützen, sei es durch Hinweise, die Schilderung von Ereignissen und Erlebnissen, die Freigabe von Bildern aus Vergangenheit und Gegenwart, das Zurverfügungstellen von Webspace, das Erteilen von Genehmigungen, durch Rückmeldung zu Gestalt und Inhalt meiner Seite u.v.m. All jene hier zu nennen, würde die Gefahr mit sich bringen, jemanden zu übersehen - deshalb an dieser Stelle herzlichen Dank an Sie alle für Ihre Unterstützung und Ihr Interesse beim Lesen meiner Seiten.

Es bereitet mir unheimlich viel Freude, mich mit Ursprung und Wesen des Nürburgrings und dadurch mit dem Mythos und der Faszination, die diese Rennstrecken zweifelsohne in sich tragen, zu beschäftigen. Eines dürfte jedem, der den Nürburgring und die Menschen am Ring kennt, klar sein: Mythos und Faszination entstehen nicht über Nacht, sondern im Laufe von Jahrzehnten. Sie brauchen Raum, sich zu entfalten, sie müssen behutsam gepflegt und in jedem Moment der Gegenwart fortgeschrieben werden, damit sie auch zukünftige Generationen erreichen können. Sie sind sensibel, zerbrechlich, aber auch wertvoll und unbezahlbar. Mythos und Faszination, die jedes Jahr tausende begeisterte Motorsportfreunde in die Region ziehen und damit eine ganze Region ernähren, kann man nicht kaufen - vor allem auch nicht verkaufen.

Vielen herzlichen Dank für Ihr Interesse, Ihre Treue und Ihre Unterstützung in den vergangenen fünf Jahren - und auf viele weitere Jahre!

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Kleines Essay: Von Ursprung und Wesen des Nürburgrings

Zur Förderung des Wohlstands in der Eifel, aber auch, um der Automobilindustrie und dem Motorsport ein Test- und Betätigungsfeld zu geben, wurde vor fast 90 Jahren in der Hocheifel mit dem Bau der ersten "Gebirgs-, Renn- und Prüfungsstraße" begonnen. Es geschah nicht aus logischer innerer Folge, dass in der damals ärmsten Region des Landes ausgerechnet eine Rennstrecke gebaut wurde. Trotzdem wurden der Nürburgring und die Idee, die dahinterstand, zu einem Geschenk für den damaligen Kreis Adenau und die ganze Eifel.

Angefangen mit der Beschäftigung von bis zu 2500 arbeitslosen Menschen während der Bauphase, finden Menschen bis heute am und durch den Nürburgring in vielfältiger Weise Arbeit. Seit 1927 haben sich im Land rund um den Ring Hotels, Pensionen und Restaurants entwickelt, die davon leben, dass Menschen aus aller Welt die Rennen am Nürburgring besuchen. Werkstätten, Geschäfte, Verkaufsstände - all das und viel mehr konnte sich in der Hocheifel erst dann richtig entwickeln, als der Nürburgring Impulse in die Region brachte.
Vorher, und das ist uns allen bekannt, war das Leben in der Eifel von Armut und Entbehrungen geprägt, da der karge Eifelboden den Menschen viel Arbeit abverlangte, diese harte Arbeit jedoch mit wenig Ertrag belohnte. Bedeutende Industrie gab es kaum, sodass den Lebensunterhalt zu verdienen ein hartes Unterfangen war. Erst durch den Nürburgring kamen Arbeitsplätze in die Region, erst durch den Nürburgring wurde den Menschen in der Hocheifel die Chance gegeben, ein gesichertes Leben führen zu können. So steht die Strecke bis heute im Dienst einer ganzen Region und gibt den hier lebenden Menschen nicht nur Arbeit und Wohlstand, sondern vor allem eine Existenz und eine Perspektive.

Die Menschen, die den Nürburgring besuchen, erleben hier ein wahrhaft einzigartiges Gefüge. Motorsportbegeisterte können schon mit geringem finanziellen Einsatz an Fahrerlehrgängen, Clubfahrten, Oldtimer- oder Langstreckenrennen teilnehmen, erste Erfahrungen im Motorsport sammeln und mit etwas Talent den Grundstein für eine weitergehende Karriere legen. Nicht nur der Breitensport, auch der internationale Spitzensport schätzt den Nürburgring als höchst anspruchsvolle Strecke, auf der sowohl Fahrer als auch Material ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Große Namen haben auf der geschichtsträchtigen Nordschleife Rennschlachten ausgetragen, die heutzutage schon fast legendären Charakter haben. Der Mythos und die Faszination Nürburgring, die sich auch auf diesen Rennen aufbauen, werden aber auch heutzutage mit einzigartigen Rennveranstaltungen, die es so nur am Ring gibt und so auch nur dort geben kann, fortgeschrieben.
Dem Besucher dieser motorsportlichen Vielfalt bietet der Nürburgring eine Atmosphäre und ein Panorama, das seinesgleichen sucht. Inmitten der unverwechselbaren Eifellandschaft können Menschen hier seit Jahrzehnten Motorsport vom Feinsten genießen. Rennen werden überall auf der Welt gefahren, diese an solch legendären und landschaftlich sowie fahrerisch einzigartigen Abschnitten wie Schwedenkreuz, Wehrseifen und Klostertal zu erleben, ist jedoch nur am Nürburgring möglich.

In seiner mehr als 85jährigen Geschichte hat der Ring schon so manche auch existenzbedrohende Krise durchlebt, beispielhaft die Schuldenlast kurz nach der Eröffnung, die ungewisse Zukunft nach dem Zweiten Weltkrieg oder auch die Sicherheitsdiskussionen Anfang der 1970er Jahre. Die Entscheidungen, die zu diesen Zeiten getroffen wurden, hatten ausschließlich das Wohl des Nürburgrings und darauf aufbauend das Wohl einer ganzen Region zum Maßstab. So kann auch in diesen Zeiten die richtige Entscheidung über das Schicksal des Nürburgrings nur dann getroffen werden, wenn seine Aufgabe und seine Bedeutung für die Region als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden.

Oscar Wilde frei interpretiert kann für den Nürburgring zwar ein Preis festgelegt werden, den eigentlichen Wert des Nürburgrings für die Region und die Menschen kann man jedoch nicht beziffern. Der Öffentlichkeit wurde diese einzigartige Sportstätte von vorherigen Generationen zur Pflege, zum sorgsamen Umgang und zur Bewahrung übergeben. Im Gedanken der Förderung der strukturschwachen und armen Hocheifel haben die Gründerväter des Nürburgrings mit Mut und Weitsicht etwas geschaffen, was nicht Einzelnen dienen darf, sondern dem Motorsport in all seiner Vielfalt, der Automobilindustrie, vor allem aber unserer Region und den Menschen, die am und vom Nürburgring leben.

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"Von Fahnen und Posten und dem Warten"

Sind wir doch mal ehrlich. DAS sind keine normalen Arbeitsbedingungen. Da steh ich samstags morgens um viertel nach acht, eine Uhrzeit, zu der mich nichtmals der Paketdienst ausm Bett klingelt, ca. hundert Kilometer von eben diesem warmen Bett, das ich 2 1/2 Stunden vorher verlassen habe, entfernt, mitten in der Pampa und warte auf Autos. Schnelle und vor allem laute Autos. Mit Fahrern drin, die (teils ne Menge) Geld auf den Tisch legen, damit sie dort, wo ich - und noch einige mehr von meiner Sorte - stehe, langfahren dürfen.

Eingepackt bin ich in Signalorange. Wüsste nicht, dass irgendein Modedesigner jemals etwas in dieser Farbe entworfen hat. Und selbst wenn, dann wars sicherlich nicht der Verkaufshit. Neben mir stehen zwei Feuerlöscher in modischem Signalrot und noch bissel anderer Plunder, darunter so ein paar bunte Fahnen. Ach nee, Fahnen darf ich ja netmals sagen, das sind ja Flaggen. Weiß der Geier wieso, jedenfalls muss ich das Phrasenschwein mit meinem Geld füttern, wenn ich im Beisein von anderen Streckenposten "Fahne" dazu sage. Ach und "Streckenposten" geht ja schonmal garnet, das heißt ja "Sportwart". "Sportwart der Streckensicherung", ums ganz genau zu sagen und um nix zu riskieren. Die zwei Begriffe sollte man sich merken und auch richtig anwenden, dann darf man auch sein Geld behalten.

Es ist mittlerweile dann doch schon zwanzig nach acht, die ersten Vögel zwitschern (man beachte die Reihenfolge: Erst steh ich auf, dann die Vögel. Normalerweise ist mir das an einem freien Tag umgekehrt - und mit einigem zeitlichen Abstand - lieber!) und die Temperatur ist um 0,2 auf 9,6 Grad gestiegen. Ahja, es wird anscheinend Sommer.

Zehn Minuten später wirds dann auf einmal laut. Nix mehr mit Idylle und Vogelgezwitscher. Das Training beginnt, und noch bevor das erste Auto um die Kurve geschlingert kommt (ja, es ist nass heute), fällt mir wieder ein, wieso ich überhaupt hier stehe: Ich bin Sportwart und steh total auf Autorennen. Vor allem auf die, die auf der Nordschleife stattfinden. Die find ich total super, und dafür steh ich gerne schon dann auf, wenn andere grad mal aus der Disco nach Hause kommen. Um dann meinen Posten zu beziehen und fast nen ganzen Tag lang an der Strecke zu stehen und meinen Dienst zu machen. Wofür man übrigens ein paar Eigenschaften erfüllen sollte. Erstens sollte man keine allzu empfindlichen Ohren haben, weil an so nem Tag doch mehrere tausend mal ein Rennwagen an einem vorbeidüst (is wirklich so, rechnets doch mal nach!), und die Dinger sind ja jetzt auch keine leise surrenden Elektroautos. Sondern so richtig große, laute Geräte, die auch wahnsinnig schnell sind. Da sind wir auch schon bei der nächsten Eigenschaft: Aufmerksam sollte man sein und konzentriert. Den ganzen Tag lang. Nicht nur um der eigenen Sicherheit willen, sondern vor allem für die der Fahrer und der Zuschauer. Ach ja, und hart im Nehmen, denn so ein Tag an der Strecke is doch anstrengend. Abends bin ich froh, wenn ich im Bett liege und gerade mal kein Auto höre, das vorm Haus vorbeifährt.

War heute übrigens ein guter Tag: Kein Unfall. Das ist dann wie Angeln: Den ganzen Tag dasitzen und darauf warten, das nichts passiert. Ist ja auch gut wenn nichts passiert, nicht dass das hier noch einer falsch versteht.

Da lieg ich also abends im Bett, müde und geschafft. Aber schon am nächsten Tag freu ich mich wieder aufs nächste Rennen, wenn ich mein Hobby, den Motorsport, als Sportwart unterstützen kann. Weil Motorsport fasziniert, weil man mehr tut als die Rennen nur vorm Fernseher zu verfolgen, weil man - vor allem am Ring - jede Menge netter Menschen kennenlernt und weil man bei seinem Hobby auch Verantwortung übernimmt.

Wird also Zeit, dass der Winter (der ja oft auch einfach nur "Warten" genannt wird) vorbeigeht und die Saison nochmal losgeht!

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"Einmal rund um die ehrwürdige Nürburg"

Schon Abertausende haben die Nordschleife seit der Eröffnung des Rings im Jahre 1927 unter ihre Räder genommen - seien es Rennfahrer, die auf der schwierigsten, aber auch gleichzeitig schönsten und faszinierendsten Rennstrecke unserer Erde in wahren Materialschlachten nach dem Pokal zu greifen versuchten, oder auch Touristenfahrer, die auf diesem Asphaltband ihr Können testen und verbessern wollten. Auch ich werde heute, an diesem kühlen, aber sonnigen Frühlingsmorgen, die Strecke unter meine Räder nehmen, jedoch nicht, um beste Zeiten zu fahren, sondern um die Faszination zu erleben, die diese Strecke auf mich und viele, viele andere ausübt. Klangvolle Namen wie Tiergarten, Schwedenkreuz und Klostertal, die seit Jahrzehnten für Rennschicksale, Tragödien, aber auch unvergleichliche Atmosphäre an der Strecke stehen, begleiten mich auf meiner Runde, die an der Touristenzufahrt an der Döttinger Höhe, unweit der Nürburg, beginnt. Das Rundenticket in den Automat gesteckt, und schon öffnet sich die Schranke, die den Weg freigibt zu der vielleicht letzten wirklichen motorsportlichen Herausforderung unserer Zeit. Im Gegensatz zu Rennkursen, die in heutiger Zeit gebaut werden, wurde die Nordschleife nicht am Computer, nicht "nach Maß" entworfen, da der eigentliche Architekt dieses Asphaltbandes die unberechenbarste Kraft von allen war: Die Natur. Jahrtausendelang haben Vulkane diese einzigartige Landschaft geprägt, haben Berge und Täler geschaffen, die der Strecke Mitte der 1920er Jahre ihren Verlauf vorgaben. Bis heute ist dem ambitionierten Autofahrer, der sich und sein Fahrzeug an die Grenzen bringen will, diese einzigartige Strecke erhalten geblieben. Vorsichtig und voller Demut vor dem, was mich und mein Auto auf den nächsten knapp 21 Kilometern erwarten wird, fahre ich los und lasse die Zufahrt hinter mir.

Nach einem kurzen Bergaufstück erreiche ich die Brücke an der Antoniusbuche, schon bei der Abfahrt hinunter zum Tiergarten bin ich immer wieder aufs Neue erstaunt, welche Höhen und Tiefen mir die Strecke bietet. Eine erste Schikane bremst meinen Vorwärtsdrang, schon bin ich an der Boxenanlage der Nordschleife angelangt. Damals, das heißt bis zu Beginn der 1980er Jahre, fuhr man an dieser Stelle geradeaus auf die Start- und Zielgerade, um nach der Südkehre über die Gegengerade wieder auf die Nordschleife zu kommen - für mich geht es nun direkt scharf rechts, vorbei an der Boxenanlage, hinunter Richtung Hatzenbach, in das tückische Kurvengeschlängel, das weniger die Kraft des Motors, als die Linienkenntnis des Fahrers beansprucht. Über Hocheichen geht es zur Quiddelbacher Höhe, an dessen Sprunghügel mein Wagen kurz aus den Federn hebt, um dann wieder sanft einzutauchen. Vor Jahrzehnten standen hier tausende Zuschauer und bejubelten die großen Namen ihrer Zeit bei Formel 1 und 1000km-Rennen, die unter heutzutage kaum vorstellbaren Sicherheitsbedingungen waghalsig und mutig ihre Runden drehten. So schön es auch ist, sich auf dieser historischen Strecke die Vergangenheit vorzustellen, ist es nun allerdings nicht der rechte Ort dafür, denn nach kurzer Fahrt, vorbei am Flugplatz, erreiche ich das Schwedenkreuz, eine Passage, die selbst den routinierten Nordschleifenfahrern immer noch höchste Konzentration und auch einiges an Mut abverlangt. Das Kreuz, das diesem Abschnitt seinen Namen gab, steht noch immer neben der Strecke und zeugt seit fast 400 Jahren von einem Mord, der an dieser Stelle geschehen sein soll.

Durch die Aremberg-Kurve geht es unter der Poststraßen-Brücke hindurch und hinunter in die Fuchsröhre bis in die Senke, die, unter Nordschleifen-Fans "Kompression" genannt, in den Adenauer Forst führt. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet, oft stehen am Wochenende auf den Hügeln viele Zuschauer und Schaulustige, die vielleicht nur darauf aus sind, die Anfänger zu sehen, wie sie die enge Kurve am Eingang des "Forsts" nicht treffen und einen meist schadlosen Ritt durch die Wiese antreten. Doch dazu wird es heute nicht kommen, denn zum einen ist zu so früher Stunde noch niemand den Weg von Adenau aus in den Adenauer Forst angetreten, zum anderen bin ich auf einer langsamen Runde unterwegs, während der ich mir die Strecke wieder ins Gedächtnis rufen will und auch etwas davon sehen will, was die Fahrt durch die Eifellandschaft ausmacht: Berge und Täler, Wiesen, Wald und Felder, dazwischen verträumte Ortschaften und inmitten dies allem dieses wunderbare Stück Asphalt, das sich wie von Dämonen gestaltet durch die Eifellandschaft schlängelt.

Nach einiger Fahrt, vorbei an der Todeskurve, wie sie vor vielen Jahren einmal im Volksmund hieß, erhasche ich einen kurzen Blick durch das in dieser Jahreszeit noch dünne Gebüsch auf Adenau, die Johanniterstadt, dessen Landrat Otto Creutz uns allen vor mehr als acht Jahrzehnten diese Strecke schenkte, um seinem Landkreis und den Menschen den wirtschaftlichen Durchbruch zu ermöglichen, den dieses wunderschöne, aber karge Land ihnen verwehrte. Entgegen all den Kritikern und Gegnern erschuf er hier dieses Monument des Fortschritts, das damals wie heute die Menschen in ihren Bann zieht. Noch bevor ich diesen Gedanken an den ehrenwerten Landrat des ehemaligen Kreises beenden kann, erwartet mich nun die langsamste Stelle des Rings: Das Wehrseifen. Wie viele haben sich hier schon bei Rennen verschätzt und haben, abgelenkt durch Positionskämpfe oder Unaufmerksamkeit, den richtigen Bremspunkt verpasst und unter dem Staunen der Zuschauer ihren Rennboliden meisterhaft wieder abgefangen und auf Kurs gebracht, ohne ihr Rennen an der unnachgiebigen Leitplanke vorzeitig zu beenden. Schon kurz nach dem Wehrseifen passiere ich an der tiefsten Stelle des Rings ein Dorf - wo gibt es das heute noch, dass eine Rennstrecke, die seit Jahrzehnten für Motorsport in Reinform steht, mitten durch ein Dorf führt? Über die Brücke hinweg, an der zweiten Touristenzufahrt vorbei, komme ich an Ex-Mühle vorbei, dem Ort, an dem Cenek Junek das erste Opfer des Rings wurde, und nur wenig später an der Stelle kurz vor dem Abschnitt Bergwerk, an der 1976 Niki Lauda in seinem Ferrari beinahe zum Opfer der Flammen geworden wäre. Tragödien, aber auch Erfolge - für beides gleichermaßen steht die Nordschleife.

Die Bergwerks-Kurve hat ihre ganz eigene Linie: Wer diese nicht findet, dem fehlt auf dem langen Bergaufweg durch Kesselchen und Klostertal viel Drehzahl, was über die Kilometer bis zum Karussell hinweg schon einige Sekunden bedeuten kann. Nach dieser ca. drei Kilometer langen Partie, die sich je nach Motorkraft bis zur Unendlichkeit ziehen kann, lasse ich zur Linken die Steilstrecke liegen, die schon seit einigen Jahren brach liegt, dieses Stück Geschichte, zu dessen Ehren sich eine Gruppe von Ringfanatikern zusammengefunden hat, die bei großen Rennen und vor allem beim Langstreckenklassiker, dem 24h-Rennen, das Klostertal zu ihrem Stützpunkt erklärt und den Motorsport, den man in diesem Panorama genießen kann, feiert.

Das Karussell, zu Ehren der Rennfahrerlegende Rudolf Caracciola aus Remagen vor wenigen Jahren in "Caracciola-Karussell" umbenannt, empfängt mich mit einer einzigartigen Steilwand aus Beton. Hier den richtigen Einfahrts- und Ausfahrtspunkt zu treffen, gehört zur hohen Kunst der Rennfahrerei - vor allem aber ist das Karussell für die Zuschauer, die inmitten dieser Betonkurve stehen, eine gute Möglichkeit, die Rennboliden über einige Sekunden lang zu verfolgen.

Mit Glück habe ich das Karussell richtig umrundet und setzte meine Fahrt fort durch einige Kurven hinauf zur Hohen Acht, der Stelle, an der die Strecke nahe am Gipfel der höchsten Erhebung der Eifel vorbeiführt. Direkt danach ereilt mich wieder der Gedanke an die Familie des ehrwürdigen Landrats Otto Creutz, denn der folgende Abschnitt ist nach seiner Frau, Hedwig Creutz, benannt. Dahinter erwarten mich von Wippermann bis zum Sprunghügel am Pflanzgarten viele Kurven mit den unterschiedlichsten Radien, wodurch dieser Teil der Strecke nicht demjenigen Zeit schenkt, der den größeren Motor hat, sondern dem, der sich gekonnt durch das Kurvengewirr zu schlängeln weiß - die Nordschleife ist noch immer eine Fahrerstrecke, auf der sich die Meister am Volant von denen scheiden, die meinen, mit einem starken Fahrzeug allen wegfahren zu können.

Mit den beiden Sprunghügeln am Pflanzgarten, die kurz hintereinander folgen, erwarten mich zwei faszinierende Stellen, die gleichsam gefährlich sind. Hier zeigt sich wiederum, wie so oft auf dieser Runde, dass echte Ingenieurskunst darin besteht, das Fahrzeug optimal auf die Begebenheiten und Anforderungen der Strecke einzustellen, und nicht darauf zu warten, bis jemand eine Strecke baut, die dem Fahrzeug und seinem Können gerecht wird!

Wiederum folgt eine kurze Reihe tückischer Kurven, bis ich Richtung Schwalbenschwanz mit seinem Kleinen Karussell fahre. Bevor es nun wieder auf die lange Gerade an der Döttinger Höhe geht, wartet der Galgenkopf auf mich - kurz dahinter erblicke ich rechts von der Fahrbahn den Turm der Nürburg, dieses geschichtsträchtige Gemäuer, das dem Ring seinen Namen gab. Wie viele Burgen gibt es hier in der Eifel, wie viele gibt es gar am Rhein - diese eine Burg, die Nürburg, ist für den wahren Motorsportfan doch die einzige, die er wahrlich verehrt. Noch bevor ich die Burg passiere, ist meine Runde über die Nordschleife schon zu Ende - die Touristenausfahrt wartet auf mich. Doch werde ich die Burg nicht nur erblicken, später werde ich sie noch besteigen - der Blick über die Eifel, fast bis nach Köln, erwartet mich noch und ist Pflicht bei jedem Ringbesuch. Für den Ringkenner ist es ein leichtes, hoch oben vom Turm der Burg aus den Streckenverlauf zu verfolgen, diese Strecke zu sehen, die einzigartig in Länge und Schwierigkeit ist und auf der ich eben noch selbst diese wunderbare Landschaft durchquert habe. Beim Blick vom Turm aus auf Adenau ereilt mich ein letztes Mal ein dankbarer Gedanke an Dr. Otto Creutz, den Mann, der uns vor vielen Jahrzehnten diese Strecke schenkte, auf der wir auch heute noch so viele spannende Rennen erleben und auch selbst viele faszinierende Runden fahren können.